Uhren, das sind spätestens seit den 1930er-Jahren hauptsächlich solche fürs Handgelenk. Davon fertigte allein die Schweiz im Jahr 2014 gut 29 Millionen Exemplare. Ein knappes Drittel besaß ein tickendes Uhrwerk. Tendenz weiterhin steigend, denn mittlerweile hat auch der aufstrebende chinesische Mittelstand die Faszination der Mechanik entdeckt.

Im Gegensatz zu multifunktionalen Quarzuhren taugen sie grundsätzlich zum Vererben, weil das nur scheinbar antiquierte Innenleben bei regelmäßiger Pflege Jahrzehnte übersteht, während die elektronischen Pendants zum Wohl der Industrie mehr oder weniger schnell den Zeitgeistströmungen zum Opfer fallen.

Längst haben speziell die Männer, welche in den Anfangsjahren mit Armbanduhren herzlich wenig anfangen konnten und lieber in ihre Tasche griffen, den Wert einer noblen Begleiterin am Unterarm erkannt.

In vielen Situationen des Lebens ist es nämlich die Armbanduhr, welche den Mann vom Mann unterscheidet. Beispielsweise im Restaurant, Flugzeug oder Konzertsaal. Überall muss das Auto oder die Jacht nolens volens irgendwo draußen verharren. Dann bleiben Männern neben der Partnerin an ihrer Seite tatsächlich nur wenige Schmuckstücke.

Akzeptiert sind anerkannten Stilberatern zufolge Ehe- und Siegelring sowie Manschettenknöpfe. Darüber hinaus wird es schwierig. Ergo avancierten Armbanduhren unter den Herren der Schöpfung zu einem echten Gesprächsthema. Daher sollte Mann schon etwas Besonderes bei sich tragen, über das sich mit stolz geschwellter Brust reden lässt.

Beispielsweise über die namhafte Signatur, das markante Outfit oder ein gerüttelt Maß uhrmacherische Raffinesse. Derartige Werte gingen in den 1970er-Jahren, als die Quarzrevolution den Markt überrollte, sukzessive verloren. Erst Mitte der 1980er-Jahre eroberte die gute alte Mechanik bei anspruchsvollen Zeitgenossen, die ihr kostbarstes Gut nicht irgendeinem Instrument anvertrauen wollten, verlorenes Terrain allmählich zurück.

Wer heute etwas auf sich hält, lässt an sein Handgelenk aus innerster Überzeugung nur das vermeintlich Überkommene. Daran werden auch die neuen Smartwatches nichts ändern, von denen 2014 rund 6,8 Millionen über die Ladentheken gingen oder durch unterschiedlichste Internetkanäle abflossen.

Ernsthafte Uhrenfreaks tolerieren sie allenfalls als zusätzliches Accessoire. Doch ihr emsig tickendes Kleinod würden sie niemals auf dem Altar der Errungenschaften moderner Kommunikationstechnologie opfern. Wohl wissend, dass analog zum Telefon spätestens nach zwei Jahren etwas Neues fällig wird.

Aber der Trend, Informationen vom und zum Handgelenk zu senden, besitzt auch seine positiven Seiten. Das jedenfalls hat Nick Hayek, seines Zeichens CEO des Uhrenmultis Swatch Group, messerscharf analysiert: „Viele Jugendliche tragen heute überhaupt keine Armbanduhr mehr. Deshalb ist meine Erwartung, dass sich etliche irgendwann eine richtige Uhr kaufen.“