Nichts allerdings lag Freiherr Adolph Knigge (1752-1796), dem Autor von „Über den Umgang mit Menschen“, ferner als das Einhalten strenger Etikette. Vielmehr war er ein glühender Verfechter der Aufklärung, ein Humanist mit Leib und Seele.

Manieren, das bedeutet besonders für Führungskräfte: Herausragend performen, die Erwartungen der Stakeholder erfüllen, gewinnender Gastgeber sein. Ganz nebenbei soll man dann natürlich sowohl im Anzug als auch mit hochgekrempelten Ärmeln eine gute Figur machen. Raum für Menschlichkeit? Fehlanzeige.

Oft genug kommt es eben aber genau darauf bei nachhaltigen Geschäftsbeziehungen an. Auch das Betriebsklima kann von offener und toleranter Kommunikation, Aufmerksamkeit und dem Respekt gegenüber Kolleginnen und Kollegen nur profitieren.

Schließlich pflegen in Unternehmen und Organisationen die Beziehungen zueinander erst die Menschen, die dort arbeiten. Regeln sind dabei immer nur der Kompass, der uns zeigt, wohin die Fahrt geht. Die tatsächliche Entscheidung über richtig und falsch muss dann situativ erfolgen.

Einen ersten Schritt in die richtige Richtung tut schon, wer aufrecht steht, freundlich lächelt, bitte und danke sagt. Wer außerdem begreift, dass jeder Mensch gesehen, gehört und verstanden werden möchte, ist auf dem besten Wege in den Knigge-Olymp. Im Alltag kommt es vor allem auf eine gesunde Geisteshaltung an. Knigge war vor allem an Werten wie Ethik und Moral, Esprit und Bildung, Souveränität und Authentizität gelegen. Ideale, die heute so wichtig sind wie eh und je.