„Ich habe als Kind all die Stars im Fernsehen gesehen und wollte sein wie sie: erfolgreich. Ob als Musiker, Schauspieler oder Massenmörder, war mir egal“, beschrieb er einmal seine Kinderträume. Damals war er noch ein Pummelchen mit Leseschwäche und wuchs in einem englischen Arbeitermilieu auf, doch ein geborener Entertainer schlummerte schon damals in ihm.

Als Klassenclown liebte er es, die Aufmerksamkeit seiner Umwelt auf sich zu ziehen. Später unterhielt er im Pub seiner Mutter Jeanette die Gäste mit Showeinlagen zu alten Swingklassikern - vorläufig noch mit Playback. Damals ahnte wohl niemand, dass er eines Tages zu den erfolgreichsten Musikern der Welt gehören würde.

Der Teenieschwarm gerät auf die falsche Bahn

Seine atemberaubende Karriere begann 1989, als seine Mutter eine Zeitungsanzeige entdeckte: Gesucht wurden Jungs für eine Boyband. Gesucht wurde nicht Gesang, sondern ein schönes Gesicht, ein knackiger Hintern, ein sportlich durchtrainierter Körper und Bühnenbeweglichkeit.

Der 15-jährige Robert Peter Williams wird prompt ausgewählt und startet als Robbie Williams mit der Boygroup Take That durch. Eine unglaubliche Zeit folgt. Zwanzig Millionen verkaufte Platten in sechs Jahren.

Es steckt ein furchtbarer Teufel im mir ... er will nur, dass ich mich selbst zerstöre. (Robby Williams, 2001)

Es waren Jahre des Ruhms. Robbie Superstar. Robbie Partybruder. Robbie Mädchenschwarm. Fotos mit blankem Hintern, mit Frauen, mit Schnapsnase. Wobei er später zugibt, harte Drogen sogar schon vor seiner Zeit bei Take That ausprobiert zu haben.

Dass Robbie so nicht nur berühmt sondern auch ziemlich unglücklich und dazu drogensüchtig wurde, ahnte bei der „Feel good”-Fassade der fünf Jungs von Take That niemand. Hinter Leadsänger Garry Barlow und Sänger Mark Owen blieb Robbie auch hier bloß die Rolle des Clowns. Im Juli 1995 scheidet Robbie Williams aus der Band aus und sieben Monate später löst sich diese auf.

Sucht und Entzugsklinik

Robbie Williams will als Solokünstler durchstarten, doch er steht mehr in den Klatschspalten der Boulevardpresse als auf großen Showbühnen. Der 22-jährige Künstler trinkt und konsumiert Pillen. Sechs Jahre ist er abhängig. Schlägereien, Panikattacken und Gerüchte über seine angebliche Homosexualität setzen Robbie zu.

Nicht nur die Drogenabhängigkeit belastet ihn, sondern auch seine Sexsucht macht ihn kaputt. Robbie verspürt eine Sehnsucht nach Prostituierten, er bestellt nicht nur diese, sondern nimmt auch seine Groupies mit auf das Zimmer. Befriedigung verspürt er dabei kaum, er verfällt in eine Depression.

1997 überzeugen ihn seine Mutter und Elton John von einem Entzug. Heroin, Ecstasy, Kokain, Marihuana sind nur die bekanntesten Drogen auf seiner Liste. Gestärkt kommt der Rockstar aus der Suchtklinik zurück.

„Let Me Entertain You!“

Nach fünf Kurwochen zeigt sich Robbie 15 Kilo leichter und mit sportlichem Kurzhaarschnitt. Mit der zur Weihnachtszeit lancierten Ballade „Angels“ und dem rockigen „Let Me Entertain You“ im folgenden Frühling schafft er den Durchbruch. Robbie Williams, ein Showman und doch so verletzlich, gespickt mit einer Prise Selbstironie, gilt er als der moderne Frank Sinatra von heute. Er kriegt die Jungen mit seiner Lässigkeit, die Älteren überzeugt er mit seiner Musik.

Von allen geliebt werden will er immer noch – und pendelt munter zwischen Größenwahn und Komplexen: „Wer ich bin, weiß ich immer noch nicht. Nur eines glaube ich wirklich zu sein: höchst unterhaltsam.” Er ist auf dem besten Weg zu seinem größten Ziel: Er, der Typ mit dem unergründlich-träumerischen Blick aus seinen grünen Augen, will der größte Rockstar der Welt werden.

Sogar das Privatleben kriegt Robbie für einen Augenblick auf die Reihe. Er verlobt sich mit der Sängerin Nicole Appleton und trotz diversen Nebenaffären und einer kurzzeitigen Trennung ist die Heirat geplant. Doch die Beziehung scheitert.

Wieder mal schreiben die Klatschzeitungen von Frauengeschichten mit Stars und Sternchen wie Kylie Minogue, Geri Halliwell oder Rachel Hunter. Nach einem gemeinsamen Song mit Nicole Kidman soll er auch mit der Schauspielerin auf Tuchfühlung gegangen sein.

An seinem 33. Geburtstag zieht Robbie schließlich wieder in die Entzugsklinik ein. Diesmal nicht in England, sondern in seiner Wahlheimat Los Angeles. „Es ist ein ewiger Kampf“, gesteht der Superstar. „Ich gewinne Schlachten, aber niemals den Krieg.“ Robbie schämt sich.

Die Depression hat ihn wieder eingeholt. Hinter der glamourösen Fassade beneidet er die Menschen, die ganz einfach leben. Robbie, der geborene Entertainer, spielt sogar mit dem Gedanken, die Musikkarriere zu beenden.

Daddy Cool

2006 ändert sich alles: Er lernt die Frau seines Lebens kennen. Ayda Field holt ihn aus dem Loch der Selbstzweifel und wird vier Jahre später seine Ehefrau. Robbie schwört, er sei ihr treu. Am 18. September letzten Jahres wird sein Familienglück schließlich komplett, als seine Tochter Theodora Rose geboren wird.

Liebevoll nennt der stolze Vater sie Teddy. „Ich musste nie für mich selbst sorgen, jetzt muss ich mich um ein anderes kleines menschliches Wesen kümmern“, so Daddy Robbie. Frau und Tochter begleiten ihn heute sogar auf Tournee, Robbie wechselt nachts Teddys Windeln, hat das Rauchen – von drei Packungen am Tag auf null – aufgegeben. „Ich trinke auch keinen Alkohol mehr.“

Es scheint, als habe die Geburt den Rockstar positiv beeinflusst. Trotzdem gibt Robbie zu, dass der Weg vom verrufenen Rockstar zum coolen Papa nicht einfach ist: „Ich hoffe, ich kriege das hin.“