Er ist ein heimtückischer Tumor, der lange Zeit unbemerkt in der Blase wächst – der Blasenkrebs. Selbst bei Patienten, bei denen der Arzt den Tumor bereits erfolgreich entfernt hat, bleiben manchmal unsichtbare Krebszellen zurück. Behandelt der Mediziner diese nicht muskelinvasiven Harnblasenkarzinome (NMIBC) nicht, können sie erneut wachsen und Tumore bilden.

Hilfreiche Chemotherapeutika

Üblicherweise verabreicht der Arzt deshalb meist direkt nach der Operation Chemotherapeutika (Frühinstillation), wie zum Beispiel Mitomycin C oder andere Zytostatika, direkt in die Blase. Diese töten die Krebszellen und helfen, Neubildungen zu vermeiden.

Eine Optimierung der adjuvanten Erhaltungstherapie stellt die sogenannte hyperthermische intravesikale Chemotherapie, kurz HIVEC, dar. Denn Wärme kann die Wirksamkeit des Zytostatikums erheblich erhöhen. Das Deckgewebe der Blase absorbiert das Medikament leichter und es dringt tiefer in die Blasenwand ein. Außerdem trägt die Wärme dazu bei, mögliche restliche Krebszellen zu eliminieren. Sie erhöht zudem die natürliche Immunreaktion
des Körpers.

Innovative Therapie

Die HIVEC-Therapie kommt unter anderem schon an der Klinik für Urologie der Uniklinik RWTH Aachen zum Einsatz. „Über einen Spezialkatheter leiten wir zunächst das auf 43 Grad erwärmte Mitomycin in die Blase“, sagt Professor und Klinikdirektor Thomas-Alexander Vögeli. Die nahezu schmerzlose Behandlung dauert rund eine Stunde. In dieser Zeit wird das erwärmte Chemotherapeutikum in der Blase hin und her gespült. „So stellen wir sicher, auch alle Krebszellen zu erreichen“, sagt der Aachener Urologe. „Der Chemotherapieeffekt wird durch die Wärme deutlich erhöht und die bösartigen Zellen sterben ab.“

Bewährt in der Praxis

Seit 2015 wendet auch der Nürnberger Facharzt für Urologie, Dr. med. Wolfgang Vilmar, die HIVEC-Therapie an: „Immer im Sinne unserer Patienten haben wir damit die zurzeit beste Möglichkeit der Behandlung. Für sie gibt es dann mehrere Anwendungen über einen Zeitraum von bis zu acht Wochen. In vielen Fällen bedeutet das sogar, dass wir auf eine OP verzichten. Wir können nämlich die Blase erhalten und müssen sie nicht entfernen.“ Neben diesen klinischen Erfahrungen der behandelnden Ärzte belegen auch Studien eine gute Verträglichkeit der Therapie.