Sie waren gleichzeitig ein erfolgreicher Fußballprofi beim SV Werder Bremen und Alkoholiker, der literweise Bier, Wein und Schnaps in sich schüttete – für Außenstehende eine unglaubliche Kombination.

Wann haben Sie selbst das erste Mal realisiert, dass Sie krank sind?

16 Jahre Profi und parallel Alkoholiker. Ich hatte teilweise ein Tagespensum von einer Kiste Bier, einer Flasche Wodka und einer Flasche Whisky! Erst nach ein paar Wochen in der Klinik habe ich eingesehen, dass ich ein Alkoholiker bin. Vorher nie!

Warum hat Ihnen, Ihrer Meinung nach, niemand geholfen?

Ich habe Leistung gebracht in unserer Gesellschaft, und das reicht. Wer Leistung bringt, kann sich fast alles erlauben. Aber bei mir gab es mehrere Baustellen. Ich hatte in frühen Jahren Versagens- und Existenzängste. Dazu konnte ich nicht über meine Gefühle sprechen.

Sie erzählen in Ihrem Buch vom Aufnahmeritual in den Kreis der Mannschaft des SV Werder Bremen, bei dem Sie und der andere Neuzugang Kalle Riedle 25 Schnäpse wegkippen mussten. Ist so etwas in der heutigen Zeit noch denkbar?

Aufnahmerituale gibt es heute auch noch. Ich denke aber nicht mehr in dieser Form.

Gab es neben Alkohol auch noch andere Süchte?

Ich war in den 16 Jahren als Profi noch medikamentenabhängig. 14 Jahre davon, täglich Schmerzmittel. Dann kam noch eine Suchtverlagerung dazu. Von 2001 bis 2004 war ich spielsüchtig. Ich habe teilweise Tag und Nacht gezockt.

Die Rückfallquote bei Menschen mit einem Suchtproblem ist hoch. Wie haben Sie es geschafft, all dies hinter sich zu lassen?

Die Rückfallquote ist bei circa 80 Prozent. Ich habe von Anfang an offen über meine Krankheit gesprochen. Das ist nicht immer hilfreich in unserer Gesellschaft! Alkohol ist bei uns eine anerkannte Krankheit. Nur wenn du sie hast, ist es scheiße.

Wie war die Reaktion auf Ihr Buch, in dem Sie offen über Ihre Sucht berichten?

Die Reaktion ist mehr als positiv. Wenn ich überlege, was sich alles daraus ergeben hat – brutal.

Was möchten Sie Betroffenen mit auf den Weg geben?

Jeder ist für sich selbst zuständig, der alt genug ist. Ich spreche nur von mir und bin weit davon entfernt, Ratschläge zu geben.