Zu Beginn musste Martin Wolf (Name von der Redaktion geändert) nur einmal in der Nacht aufstehen, um dringend zur Toilette zu gehen. Sehr behutsam, um seine Frau neben sich nicht zu wecken. „Zuerst schob ich es auf das eine oder andere Glas Wein, das ich abends noch getrunken hatte“, so der 52-Jährige. „Vielleicht hatte ich mir einfach die Blase erkältet.“

Unterbrochener Schlaf

Mit der Zeit passierte es jedoch häufiger, dass sein Schlaf auf diese Weise unterbrochen wurde. Oft stand er zwei- bis dreimal in der Nacht auf. Es war dann seine Frau, die ihn irgendwann zum Arzt schickte. Aus Sorge um ihren Mann – und den gemeinsamen Schlaf. Der Mediziner stellte bei ihm eine Nykturie fest – der Fachbegriff für das mehrmalige Wasserlassen während der Nacht.

Ein Volksleiden, das nicht etwa eine unvermeidbare Alterserscheinung ist und vorrangig Männer betrifft. Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen resultieren. Zuverlässige aktuelle Zahlen zur Häufigkeit gibt es derzeit nicht.

Nach älteren Studien leiden aber mehr als 60 Prozent aller Menschen von 70 und mehr Jahren an einer behandlungsbedürftigen Nykturie, die die Betroffenen zweimal oder öfter pro Nacht zum Wasserlassen treibt. Fortgeschrittenes Alter ist zwar ein wesentlicher Faktor für Nykturie, was aber jüngere Menschen nicht davor bewahrt: In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder Fünfte bis Sechste betroffen – hier öfter Frauen als Männer.

Sicherheit durch Protokoll

Martin Wolf hatte irgendwann auch am Tag unter den Folgen zu leiden. Denn selbst seine Kollegen in einem Hamburger Ingenieurbüro bemerkten, dass er häufiger unkonzentriert war und müde und abgeschlafft wirkte. „Meine Tagesschläfrigkeit und die folgende Antriebslosigkeit setzten mich nun auch noch beruflich unter Druck“, so Wolf.

Negativ auswirken kann sich aber auch eine Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder Schnarchen.

Sein Arzt bat ihn daher um ein sogenanntes Miktionsprotokoll. Mindestens 48 Stunden lang protokollierte Wolf genau, wie viel Flüssigkeit er zu welcher Uhrzeit einnahm. Ebenso die Zeiten, wann er wie viel Wasser gelassen hatte. Das Protokoll bestätigte die Nykturie mit nächtlicher Polyurie (nächtliche Urin-Überproduktion) bei ihm.

Gefährliche Volkskrankheit

Als Ursache kommen bei den Betroffenen mehrere Faktoren infrage. Denn die Nykturie ist keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern ein Symptom anderer körperlicher Störungen. Bei älteren Menschen sind es die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina, Veränderungen am Detrusormuskel, niedrige Konzentration des antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata. Negativ auswirken kann sich aber auch eine Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder Schnarchen.

Bei Martin Wolf lag ein ADH-Mangel vor. Das antidiuretische Hormon, das den Wasserhaushalt im Körper regelt, kommt dann im Körper nicht ausreichend vor. Seit der Diagnose nimmt er Medikamente, die ihm helfen. „Endlich kann ich wieder besser schlafen.“

 

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