Was versteht man unter Burn-out?

„Burn-out“ sind selbst erlebte Gefühle der Erschöpfung und Verausgabung, die mit körperlicher und psychischer Schwäche einhergehen, dabei entwickeln sich durchgängige Leistungsminderung und Motivationsverluste.

Dieser Zustand wird vom Betroffenen/der Betroffenen auf die Arbeitssituation zurückgeführt, wobei es sich um bezahlte Erwerbsarbeit, aber auch um unbezahlte beanspruchende Tätigkeiten wie häusliche Pflege oder Kindererziehung handeln kann.

Woran erkennt man, dass man an Burn-out leidet?

An psychischen und/oder körperlichen Erschöpfungszeichen: Müdigkeit, Schlafstörungen, Missmut, häufige Verstimmungen, Leistungs- und Motivationsabbau, Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen, Magen-/Darmprobleme.
An verändertem Verhalten gegenüber Kollegen wie Reizbarkeit, Wutausbrüche, und später Zynismus.

Kennzeichnend ist, dass reguläre Erholungsphasen wie Wochenende oder Urlaub die Situation nicht verändern. In jedem Fall handelt es sich um eine deutlich spürbare Veränderung im Vergleich zu früherem Befinden, früherer Motivations- und Leistungsbereitschaft im Beruf.

Welche Unterschiede gibt es zu anderen psychischen Erkrankungen?

Zunächst: „Burn-out“ ist keine Erkrankung. Sie wird als solche nicht als Erkrankung in den maßgeblichen Diagnosemanualen geführt (zum Beispiel: ICD-10, auch nicht im kommenden ICD-11). Sie stellt eher einen Nährboden für spätere psychische, aber auch körperliche Erkrankungen dar (ist also ein Risikozustand vor allem für Depression).

Wenn „Burn-out“  mit mehreren psychischen Symptomen wie depressiver Verstimmung, Antriebsmangel, Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Selbstwertverlusten, innerer Unruhe, Entschlusslosigkeit einhergeht, handelt es sich aber schon um eine Erkrankung, in diesem Fall eine „Depression“. Hier sind gezielte antidepressive Therapien indiziert.

Eine Konzentration auf „Burn-out“ würde in diesem Fall möglicherweise zur Unterlassung der notwendigen, wirksamen antidepressiven Therapien führen.

Wie entwickelt sich Burn-out?

Viele Arbeitsplatzfaktoren können beitragen: fehlende Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen, Konflikte und Unfälle am Arbeitsplatz, zu wenig Kontrolle über die eigene Arbeit, mangelnde Solidarität, mangelnde Unterstützung, wenig fördernde und ungerechte Unternehmensführung bzw. Leistungsstrukturen, Mobbing bzw. Bullying.

Daneben tragen aber auch individuelle Bedingungen bei: Rollenkonflikte zwischen Beruf und Familie (Kindererziehung, Pflege von Angehörigen), reduzierte und persönliche Reserven (z. B. bei früherer oder aktueller psychischer oder körperlicher Erkrankung), Selbstüberforderung (übermäßige Ansprüche an sich selbst im Zuge von Selbstverwirklichungswünschen bei fehlenden Voraussetzungen).

Wie Vorsorge?

„Burn-out“ als Risikozustand für Erkrankungen (bei noch nicht bestehender Krankheit) kann nicht durch Therapie behandelt werden. Angezeigt sind verschiedene Formen von Vorbeugung (Prävention) wie sie in vielen Großbetrieben modellhaft etabliert sind: Verhältnisprävention, die am Unternehmen und am Arbeitsplatz ansetzt und durch betriebliches Gesundheitsmanagement gewährleistet wird.

Verhaltensprävention, die beim einzelnen Beschäftigten ansetzt, auf dessen individuelle Klagen und Probleme - gesundheitlich und betrieblich - eingeht und Bedingungen verändert (z. B. auch psychotherapeutisch);
Kombination von Verhaltens- und Verhältnisprävention: die Verbindung beider Interventionsformen hat sich als besonders wirksam erwiesen.
Entscheidend sind im Vorfeld von Präventionsmaßnahmen betriebliche Gefährdungsanalysen, wie sie neuerdings auch gesetzlich für psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz verpflichtend vorgeschrieben sind.

Wie wird Burn-out behandelt?

Zunächst ist zu prüfen, ob das erlebte Burn-out-Gefühl mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung einhergeht. Ist dies der Fall, so ist dringend eine diagnosespezifische Behandlung notwendig. Im Fall einer psychischen Erkrankung sollten dabei sowohl  Psychotherapie als auch Pharmakotherapie  diagnosespezifisch eingesetzt werden.

Die Psychotherapien sollten dabei auch auf die Problemlage am Arbeitsplatz Bezug nehmen. Mit den Betriebsärzten des Arbeitsgebers sollte Kontakt aufgenommen werden, um die psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren.

Ebenso notwendig ist es, mögliche körperliche Beschwerden auf das Vorliegen behandlungsbedürftiger körperlicher Erkrankungen abzuklären.

So geht chronischer psychosozialer Stress häufig mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Muskelskeletterkrankungen einher; diese müssen bei einem vorhandenen Burn-out-Gefühl erkannt und gezielt behandelt werden.