Die roboterassistierte Chirurgie kann mittlerweile als eigenes operatives Verfahren betrachtet werden. Vereinfacht dargestellt, werden die Vorteile der offenen Chirurgie (dreidimensionale Sicht, intuitives Arbeiten mit den Händen) mit den Vorteilen der minimalinvasiven Technik (zehn- bis 20-fache Vergrößerung, kleine Inzisionen statt großer Schnitt, geringerer Blutverlust und schnellere Rekonvaleszenz) verbunden.

Hinzu kommen eigene Aspekte des hoch entwickelten Werkzeuges, die Vorteile bilden: Tremorausgleich (Ausgleich von Zitterbewegungen) der auf die Instrumente übertragenen Bewegungen, Bildstabilität (Kamerakontrolle durch den Operateur), Bild-in-Bild-Technik (zum Beispiel für intraoperative Ultraschalluntersuchungen) und die Möglichkeit der Anwendung von Nahinfrarotlicht zur besseren Darstellung von bestimmten Strukturen.

Weitere Optionen sind in ständiger Entwicklung. Auch kommen in den nächsten Jahren weitere Robotersysteme von anderen Herstellern mit weiteren Optionen auf den Markt.

Die roboterassistierte Chirurgie entfaltet ihre Vorteile besonders bei komplexen Eingriffen. In der Urologie sind dies unter anderem die organerhaltende Nierenchirurgie, rekonstruktive Eingriffe an Nierenbecken, Harnleiter und Blase, die radikale Prostatektomie,
die Blasenentfernung mit Harnableitung und Eingriffe bei Inkontinenz beziehungsweise Senkungen im Unterleib (Sakrokolpopexie). Auch die Nierentransplantation kann inzwischen roboterassistiert durchgeführt werden.

Die roboterassistierte Chirurgie ist aus der modernen operativen Medizin nicht mehr wegzudenken und wird in den nächsten Jahren die anderen operativen Zugangswege zunehmend verdrängen.

Folgend finden Sie ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Manseck, Prof. Dr. med. Stefan Siemer und Dr. med. Jörn H. Witt von der Deutschen Gesellschaft für roboterassistierte Urologie (DGRU).

 

Prof. Dr. Andreas Manseck

Klinikum Ingolstadt
Direktor der Urologischen Klinik

Wie hat sich die Technologie in den letzten 15 Jahren entwickelt?

Prof. Dr. med. Stefan Siemer

Universitätsklinikum des Saarlandes
Stellvertretender Klinikdirektor

Die Vertreter der roboterassistierten Technik postulierten früh bessere Resultate. Hat sich die Evidenz hierfür verbessert?

Dr. Jörn H. Witt

St. Antonius-Hospital Gronau
Facharzt für Urologie Kinderurologie und Urologische Onkologie

Sie betreiben die roboterassistierte Chirurgie seit elf Jahren. Auf welche Entwicklung können Sie zurückblicken?