Ihre Stiftung heißt LebensBlicke. Wie kam es zu dem Namen?

Die Stiftung LebensBlicke wurde 1998 im Anschluss an ein erfolgreiches Projekt zur Darmkrebsfrüherkennung in Bayern gegründet. Dieses Projekt hatte zum Ziel, die bis dahin äußerst schleppenden Teilnahmeraten am Darmkrebsscreening zu verbessern. Das Projekt beinhaltete breite öffentliche Aufklärung, die Ausgabe eines Stuhltests und die bessere Vergütung einer Vorsorgekoloskopie.

Das Interesse am Thema sank dramatisch, als das Projekt beendet war. Wir haben uns seinerzeit davon leiten lassen, dass „Hinschauen hilft“. Was kann das Hinschauen besser symbolisieren als ein Auge, in dessen Zentrum ein Darm abgebildet ist? Von daher lag es nahe, die Stiftung als „LebensBlicke – Früherkennung Darmkrebs“ zu bezeichnen und sie als Motor für kontinuierliche Information und Motivation der Bevölkerung über Fragen rund um das Darmkrebsscreening aufzustellen.

Sie haben sich dem Thema Vorsorge und Früherkennung von Darmkrebs verschrieben. Warum ist dieses Thema so wichtig?

Zum Zeitpunkt des Projekts in Bayern lag die Neuerkrankungsrate an Darmkrebs noch bei über 70.000 im Jahr. Der Darmkrebs war damals für Männer wie Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Wir wissen schon lange, dass Darmkrebs aus Vorstufen entsteht und sich daher langsam schleichend entwickelt. Das macht ihn so heimtückisch. Erste konsequente Untersuchungen aus Amerika haben deutlich gemacht, dass die Entfernung dieser Vorstufen des Darmkrebses zu einer drastischen Reduktion der Krebserkrankung führen kann.

Es bleibt also noch viel zu tun, vor allem auch, weil Männer offensichtlich früher und häufiger erkranken als Frauen.

Diese Erkenntnis zeigt, dass Darmkrebs nicht nur früh erkennbar, sondern sogar vermeidbar ist. Prävention war damals für viele eher noch ein Fremdwort. Wir haben uns daher folgerichtig an die Spitze eines Zuges gesetzt, der heute mit Volldampf und Erfolg in die richtige Richtung fährt. Seit 2002 gibt es für alle Versicherten Empfehlungen zur Darmkrebsvorsorge und -früherkennung: mit 50 Jahren eine Beratung und ein Stuhltest, der jährlich wiederholt werden kann, mit 55 Jahren eine Darmspiegelung mit Wiederholung nach zehn Jahren, wenn die erste unauffällig war.

Prävention ist inzwischen in aller Munde; die Darmkrebsprävention hat bereits zu einer deutlichen Senkung der Neuerkrankungs- und der Sterberate geführt, die aber mit 62.000 Neuerkrankungen und 26.000 Todesfällen immer noch viel zu hoch liegen. Es bleibt also noch viel zu tun, vor allem auch, weil Männer offensichtlich früher und häufiger erkranken als Frauen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es derzeit?

Die Behandlung des Darmkrebses, wenn er einmal entstanden ist, richtet sich nach den Tumorstadien. In den frühen Stadien ist ein endoskopischer (Stadium I) oder operativer (Stadium I und II) Eingriff außerordentlich erfolgreich. Die operative Intervention kann heute unter Vermeidung eines Bauchschnitts laparoskopisch vorgenommen werden.

Dank der neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben sich die Heilungs- und Überlebenschancen beim Darmkrebs wesentlich verbessert.

Für die frühen Stadien reicht der operative Eingriff aus; bei fortgeschrittenen Stadien ist im Anschluss an die Operation in aller Regel eine adjuvante Chemotherapie notwendig, die ihrerseits zu einer deutlichen Reduktion der Rezidivbildung führt. Die Entwicklung vieler neuer Chemotherapeutika ermöglicht in der palliativen, also der nicht mehr heilbaren Krankheitssituation vielen Betroffenen noch eine längere Überlebenschance bei adäquater Lebensqualität.

Auch im metastasierten Stadium gibt es noch Heilungschancen. Nach chemotherapeutischer Vorbehandlung können in Einzelfällen Leber- und Lungenmetastasen erfolgreich operativ entfernt werden. Voraussetzung ist, dass solche Behandlungen in zertifizierten Darmkrebszentren durchgeführt werden.

Wie hoch sind die Heilungschancen?

Dank der neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben sich die Heilungs- und Überlebenschancen beim Darmkrebs wesentlich verbessert. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt heute für alle Stadien zusammen zwischen 50 und 60 Prozent. In vielen Fällen ist der Darmkrebs heute zu einer chronischen Erkrankung geworden, die mit einer geplanten Chemotherapie lange in Schach gehalten werden kann.