In vielen Fällen führt die Diagnose eines Tumors an der Prostata, der männlichen Geschlechtsdrüse, zur Entfernung oder Bestrahlung des Organs. Mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Betroffenen: Langzeitschäden wie Impotenz und Inkontinenz sind nicht selten die Folge. Die irreversible Elektroporation (IRE), auch NanoKnife®-Therapie genannt, entfernt die Krebsherde im Vergleich zu herkömmlichen Therapieoptionen effektiv, schonend und weitestgehend nebenwirkungsfrei. Der minimalinvasive Eingriff bedarf keiner langwierigen stationären Behandlung und ist, da es sich weder um eine Operation noch um eine Bestrahlung handelt, zumeist innerhalb von 24 Stunden komplett abgeschlossen.

Das Sensationelle dabei ist, dass die IRE auf mikroskopischer Ebene eine echte Gewebeselektivität aufweist.

Prof. Dr. mult. Michael K. Stehling, der sich mit der Einführung neuester Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs weltweit einen Namen gemacht hat, erläutert im Kurzinterview die Vorteile dieser fokalen Behandlung.

Was genau ist die NanoKnife®-Therapie?

Aufgrund der deutlichen Nachteile der Standardtherapien bei Prostatakrebs werden seit einiger Zeit gewebeschonende, prostataerhaltende Behandlungsoptionen entwickelt. Bei dem NanoKnife®-Verfahren (IRE) handelt es sich um eine grundlegend neue Methode zur schonenden Entfernung von Krebsgewebe, die sich hervorragend zur zielgenauen Zerstörung entarteter Zellen in der Prostata eignet.

Das Sensationelle dabei ist, dass die IRE auf mikroskopischer Ebene eine echte Gewebeselektivität aufweist: Krebszellen können unter Erhalt der umliegenden, vitalen Gewebestrukturen, wie beispielsweise Nerven und Gefäße, behandelt und zerstört werden.

Dadurch können nicht nur Wundschmerzen, Vernarbungen und Entzündungen vermieden werden. Auch die gravierenden Nebenwirkungen und Langzeitschäden herkömmlicher Behandlungsoptionen – allen voran Impotenz und Inkontinenz – treten bei der IRE so gut wie nicht auf. Dies trägt erheblich dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

Wie funktioniert dieses Verfahren genau?

Im Unterschied zur Ektomie, der Totalentfernung der Prostata, wird bei der minimalinvasiven IRE der Bauchraum beziehungsweise das Becken des Patienten chirurgisch nicht geöffnet.

Stattdessen werden Elektroden durch kleine Hautschnitte über den Beckenboden in die Prostata eingeführt. Die Elektroden werden dabei so platziert, dass sie ein Behandlungsfeld erzeugen, welches genau die Bereiche in der Prostata einschließt, in denen sich die Krebsherde befinden. An diesem Punkt spielt die Diagnostik eine entscheidende Rolle, denn wir müssen genau wissen, wo sich die zu behandelnden Krebsherde befinden.

In der Folge werden sehr starke elektrische Felder aufgebaut, mit dem Ziel, die Membranen der Tumorzellen zu perforieren. Je stärker die elektrischen Felder und je höher die Pulse, die auf die Zelle einwirken, desto größer werden die Öffnungen. Die Konsequenz: Irgendwann schließen sie sich nicht mehr und es dringt Wasser in die Zelle ein, was zum Tod der Zelle führt (irreversible Elektroporation). Das Entscheidende bei diesem Verfahren ist, dass ausschließlich Krebszellen zerstört werden.

Der gesamte Eingriff ist nach nur einem Tag abgeschlossen, ohne dass die Notwendigkeit eines langwierigen Klinikaufenthalts und einer sich anschließenden stationären Reha besteht.