Oft sogar noch mehr als Frauen: Denn während die typischen klimakterischen Beschwerden der Frau gesellschaftlich anerkannt sind und als medizinisch behandlungsbedürftig respektiert werden, müssen Männer, die über Hitzewallungen, nachlassende Libido und Antriebsstörungen, Gereiztheit oder Depressionen klagen, noch immer befürchten, belächelt und selbst von ihrem Arzt teilweise nicht ernst genommen zu werden.

Die 40 ist die magische Zahl im Leben eines Mannes. Aufgrund zahlreicher Studien ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass der Alterungsprozess beim Mann mit dem 40. Lebensjahr beginnt. Auch beim gesunden Mann kommt es zu einem allmählichen Abfall der Androgene, insbesondere des Testosterons.

Sinkt der Testosteronspiegel, kommt es zu den Wechseljahren des Mannes, auch Andropause genannt. Professor Dr. Frank Sommer, Universitätsprofessor für Männergesundheit und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V.  im Interview:

Was genau sind die Wechseljahre des Mannes?

Im Gegensatz zur Menopause bei der Frau, die recht plötzlich – innerhalb von ein bis drei Jahren – auftritt, ist es beim Mann ein schleichender Prozess, der Testosteronwert beginnt zu sinken. Bei einigen Männern ist der Abfall so signifikant, dass sie bereits im 40. Lebensjahr schlimme Probleme haben. Bei anderen Männern ist er so langsam, dass bis zum Lebensende keinerlei negative Symptome auftreten.

Was sind typische Symptome?

Die Verschlechterung des allgemeinen Wohlbefindens, Antriebslosigkeit, Abnahme der Muskelkraft und Zunahme des Fettgewebes, das sexuelle Verlangen nimmt ab und Stimmungstiefs mehren sich. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen.

Gern.

Ich hatte gerade einen Patienten, der berichtete, dass seine Arbeitsleistung  gegen 14 Uhr stark absinkt, er um 18 Uhr nach Hause fährt, um 19 Uhr vor dem Fernseher sitzt, und um 21 Uhr weckt ihn seine Ehefrau und sagt: „Mensch, was ist nur mit dir? Du bist nur noch schlapp, mach doch mal etwas, du bist schon wieder eingeschlafen …“ 

Woran liegt es, dass manche Männer darunter leiden, andere nicht?

Es liegt erst einmal an der körperlichen Aktivität. Wenn sich jemand seit Jahren nicht bewegt, hat er ein erhöhtes Risiko. Auch Männer, die an Gewicht zunehmen, sind durch den Bauchspeckring betroffen. Denn das wenige Testosteron, was Männer noch produzieren, wird dort aufgefangen, durch ein Enzym in weibliche Hormone umgewandelt und der Testosteronspiegel sinkt weiter. Ein weiterer Punkt sind negative Stressfaktoren. 

Kann man etwas dagegen tun?

Wenn der Mann, wie oben beschrieben, bereits so schlapp ist, dass er keinen Antrieb mehr hat, muss man ihm ein bis zwei Jahre Testosteron zuführen. Entweder durch eine Dreimonatsspritze oder durch ein Gel, das täglich auf Bauch, Innenseite Oberschenkel und den Schulterbereich aufgetragen wird. 

Wie geht es dann weiter?

Mit Beginn der Testosteron-Therapie sollte er anfangen, sich zwei Mal pro Woche fünf bis zehn Minuten körperlich zu betätigen. Normales Krafttraining, wie Liegestütze oder Kniebeugen, reichen da schon aus. Das sollte dann kontinuierlich gesteigert werden, aber mit kleinen Schritten kann man schon große Erfolge erzielen – und der Mann kann wieder seinen Mann stehen!