Wann haben Sie die Diagnose bekommen?

Im Jahr 2000 erhielt ich im Alter von 61 Jahren die Diagnose Prostatakrebs. Sie löste bei mir zunächst weniger die Angst aus, mit einer möglicherweise tödlich verlaufenden Krankheit konfrontiert zu sein, als die Unsicherheit, plötzlich vor einer Situation zu stehen, von der ich nicht wusste, ob und wie sie zu beherrschen war.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie bei der Behandlungsfindung?

Diagnose und Aufklärung entsprachen damals noch nicht den heutigen Standards. Für die Entscheidungsfindung galt es, Informationen zu finden, um die vom Arzt empfohlene Behandlung besser zu verstehen und zu akzeptieren sowie Alternativen beurteilen zu können.

Der Mangel an guter, ausreichender Information auch bei anderen Betroffenen war Grund, mich in der Selbsthilfe zu engagieren, um Wege zu verlässlichen Informationen aufzuzeigen und anzubieten. Ich habe damals zweifellos vom PSA-Test profitiert.

Deshalb ist meine Meinung zu diesem Test etwas differenzierter als von manchen Medien verbreitet, welche allein statistische Werte zur Beurteilung heranziehen, ohne die Situation des Einzelnen ausreichend zu berücksichtigen.

Wo muss noch etwas getan werden?

2009 wurde auf Basis der bestverfügbaren Evidenz eine Leitlinie für alle Phasen der Diagnose und Behandlung veröffentlicht und seitdem mehrmals aktualisiert. Jedoch bleiben auch bei Befolgen der Leitlinienempfehlungen Fragen offen.

So fehlt im Rahmen der Früherkennung eine sichere Unterscheidung zwischen Tumoren, die einer Behandlung bedürfen, und solchen, die nicht behandelt werden müssen. In diesem Zusammenhang steht auch der Wunsch nach einer Früherkennung, die möglichst alle Erkrankungen in einem Stadium entdeckt, in dem sie noch heilbar sind.

Wie sehen Sie die Behandlung in zehn Jahren?

Diagnoseverfahren werden verfeinert werden. Dabei könnten sowohl die Bildgebung als auch molekularbiologische Untersuchungen und die Genomik eine Rolle spielen. Es ist zu erwarten, dass die zielgerichtete Behandlung (Targeted Therapy) an Bedeutung gewinnen wird.

Damit sollen Tumorzellen gezielt bekämpft werden, möglichst ohne gesunde Zellen zu schädigen. Ob dabei die heute bereits experimentell untersuchte fokale Therapie des Prostatakarzinoms eine Rolle spielen kann, wird die Zukunft zeigen. Weiterhin wird eine Entwicklung zur individualisierten, also personenbezogenen, Medizin voranschreiten.