Jeder sechste Mann über 50 Jahre erkrankt in seinem Leben an Prostatakrebs – Gleichzeitig ist Prostatakrebs unter allen Krebserkrankungen in Deutschland die mit der zweithöchsten Überlebensrate. Warum fürchten sich dennoch so viele Männer vor der Vorsorgeuntersuchung?

Ich denke, bei Männern ist noch viel Aufklärungsbedarf von Nöten, um die Wichtigkeit der Vorsorgeuntersuchung in den Köpfen zu verankern. Klar, die rektale Untersuchung ist nicht angenehm, sie kann aber Leben retten. Ergänzt um einen Bluttest, den PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen), sollten diese beiden Untersuchungen an erster Stelle stehen. Man sollte sich klarmachen, je früher man den Krebs erkennt, desto besser kann er therapiert werden.

Fünf von sechs Männern mit diagnostiziertem Prostatakrebs sterben nicht daran, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft. Die moderne Medizin bietet verschiedene Therapiemöglichkeiten - Welche gibt es bei der Diagnose „Prostatakarzinom“?

Vor der Therapie steht immer eine zuverlässige Diagnose! Dafür haben wir heute die Magnetresonanztomographie (MRT). Bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom sollte deshalb immer ein Prostata-MRT gemacht werden. Und zwar vor der Biopsie. Die MRT weist Ort und die Ausdehnung des Prostatakarzinoms exakt nach oder schließt ein solches aus. Anhand des MR-Befundes kann zudem die Biopsie gezielt ausgerichtet werden.

Das heißt also, zuerst muss der Tumor ganz genau bestimmt werden, um daraus die bestmögliche Therapiemöglichkeit ableiten zu können?

Ganz genau so ist es. Kombiniert man die MRT mit einer anschließenden systematischen Ultraschall-gesteuerten Biopsie sind die Ergebnisse am besten. Danach entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, welche Möglichkeiten zur Behandlung angegangen werden.

Bei einem nicht-metastasierten, lokal begrenzten Tumor wird eine lokale Therapie oder aber eine aktive Überwachung empfohlen. Das Prostatakarzinom gehört zu den Krebsarten, die häufig nur langsam wachsen und nicht immer eine unmittelbare Bedrohung für die Betroffenen darstellen. Eine abwartende Strategie beim Prostatakarzinom hat daher einen hohen Stellenwert.

Als Alternative dazu hatten Männer mit lokal begrenztem Prostatakarzinom bisher die Wahl zwischen Operation – also radikaler Entfernung der Prostata – und Bestrahlung. Beide Verfahren sind jedoch mit dem Risiko für Kontinenz- und Potenzstörungen verbunden. Zum Glück gibt es heute Alternativen, indem das Karzinom fokal unter Erhalt der Prostata zerstört wird.

In unserem Zentrum in Frankfurt setzen wir dabei auf eine neuartige hoch-fokussierte Ultraschallwellentherapie der Prostata, die mithilfe eines MRT gesteuert und im Ergebnis kontrolliert wird (MRgFUS). Hierbei bündeln wir Ultraschallwellen und erzeugen im Brennpunkt Hitze. Den Brennpunkt bzw. Fokus richten wir auf das Karzinom in der Prostata, wodurch es zu einer Art Abschmelzung des Tumors kommt. Gleichzeitig messen wir mit dem MRT die Temperaturverteilung im Tumor, in der Prostata und umgebenden Gewebe.

Das hat zur Folge, dass wir ausreichend hohe Temperaturen im Karzinom erzeugen, um dieses sicher zu zerstören. Die Rückmeldung darüber, dass der Tumor mit einem Sicherheitsabstand innerhalb der Prostata abgestorben ist, erhalten wir in „Echtzeit“, d.h. noch während der Behandlung

Verstehe ich das richtig? Die Information, ob das Karzinom abgestorben ist erhalte ich noch während der Behandlung?

Das ist korrekt! Gegenüber anderen nicht MR-gesteuerten fokalen Therapien hat unser System einen wesentlichen Vorteil: Durch die „Echtzeittemperaturmessung“ im MRT wird während der Behandlung sichergestellt, dass nicht nur das Tumorgewebe zerstört, sondern auch umliegendes gesundes Gewebe zum Schutz des Patienten geschont wird.

Nebenwirkungen oder Komplikationen der Therapie sind ausgesprochen selten und im Falle eines Rezidivs ist die Behandlung wiederholbar oder lässt andere Behandlungsoptionen offen.

Und für wen ist diese neuartige Therapiemöglichkeit geeignet?

Dieses Verfahren eignet sich für Patienten, bei denen ein nicht-metastasierter, auf die Prostata begrenzter Tumor im Frühstadium diagnostiziert wurde. Die Patienten haben die Wahl, sich einer aktiven Überwachung des Karzinoms zu unterziehen oder aber einer fokalen Therapie, um das Karzinom zu zerstören. Die Patienten können also entscheiden, ob das Karzinom in der Prostata lebenslang kontrolliert wird, oder aber eine Narbe in der Prostata, nachdem der Tumor entfernt wurde!

Das ist ein gewaltiger Unterschied: Ein „entferntes“ Prostatakarzinom kann nicht wachsen oder metastasieren – das ist die grundsätzliche Idee hinter der fokalen Therapie!

Information

Prof. Dr. med. Markus Düx ist Chefarzt des Zentralinstitut für Radiologie und Neuroradiologie am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt/Main. Er ist ein wissenschaftlich ausgewiesener Experte für die Diagnostik und minimal-invasive, d.h. interventionell-radiologische Therapie von Tumorerkrankungen. Das Prostatakarzinomzentrum am Krankenhaus Nordwest bietet alle gängigen Therapieverfahren der Prostata an und hat für Patienten den Vorteil, dass die beteiligten Fachdisziplinen interdisziplinär zusammenarbeiten, um eine optimale, an der Tumorbiologie und dem Tumorstadium ausgerichtete Therapie anzubieten.

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