Der schweizerische Fernsehjournalist, Buchautor und Business und Personal Coach Ruedi Josuran spricht im Interview über Depressionen, Ängste und erklärt, warum Coaching der Weg aus der Leere sein kann.

Herr Josuran, Sie schreiben Bücher über das Thema Depression. Wie kam es dazu?

Ich hatte vor 15 Jahren selbst eine Erschöpfungsdepression. Ich habe mich dann später gefragt, was hätte ich gebraucht in dieser Situation? Was hätte ich präventiv tun können? Ich habe also sozusagen in eigener Sache angefangen zu recherchieren. Meine Erfahrungen habe ich dann in den Büchern beschrieben. Heute engagiere ich mich für Unternehmen und Einzelpersonen – betriebliches Gesundheitsmanagement ist mir ein zentrales Anliegen.

Hatten Sie die üblichen Vorurteile, war Depression für Sie besetzt mit instabil, labil, mit Schuldfragen?

Die größten Vorurteile hatte ich mir selbst gegenüber. Ich fühlte mich schuldig, als Versager und schämte mich. Das hat es mir schwer gemacht, Hilfe anzunehmen. Nach meiner Erfahrung tun sich Männer damit noch schwerer als Frauen.

Woran liegt das?

Ein Faktor ist möglicherweise, dass Männer seltener zum Arzt gehen. Männer versuchen immer noch oft, ihre seelischen Probleme zu verdecken. Wenn sie zum Arzt gehen, schildern sie eher die körperlichen Symptome, da psychische Erkrankungen immer noch oft selbst als persönliche Schwäche erlebt und gesellschaftlich so bewertet werden. Die Erfahrung aus den Coachings zeigt, dass sich depressive Beschwerden bei Männern oft anders zeigen als bei Frauen: in einer vermehrten Reizbarkeit, Aggression oder Risikoverhalten.

Welche Möglichkeiten der Prävention gibt es?

Prävention ist der beste Weg, sich vor Burn-out zu schützen, denn Burn-out ist teuer! Es kostet viel – die Gesundheit, die Lebensenergie und Lebensfreude, Zeit und auch Geld, bis hin zur existenziellen Not. Prävention kann dies verhindern! Die Balance von Körper, Seele und Geist ist eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden und energetisch sinnvollen Umgang mit Belastungssituationen.

Burn-out-Prävention heißt, dass das individuelle Zusammenspiel aus den eigenen Werten, äußeren und inneren Anforderungen, Arbeitsbedingungen, Energieaufwand und -ausgleich und weiteren wichtigen Faktoren rechtzeitig erkundet wird, um Ursachen rechtzeitig zu erkennen,und diese entsprechend vertieft zu durchleuchten.

Zum Abschluss: Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben, um sich vor Burn-out zu schützen?

Prävention ist der beste Weg, sich vor Burn-out zu schützen – das ist für uns vom BGM Forum Schweiz eine feste Überzeugung. Stressmanagement gehört als Teil einer modernen Unternehmenskultur implementiert. Wichtig auch: die Aufklärung und Sensibilisierung. Mit Workshops, Vorträgen und Checkups geht es darum zu vermitteln, was Stress ist, was er mit dem Gehirn und dem Körper macht.

Es kann hilfreich sein, die eigenen Motivationsgründe genauer unter die Lupe zu nehmen – und gleichzeitig unrealistische Erwartungen aufzugeben. Auch ist es oft wichtig und hilfreich, den Anspruch an sich selbst zu relativieren und sich nicht mehr nur über Arbeit zu definieren. Weg vom Perfektionismus und überzogenen Idealismus. Hin zu einer gesunden Arbeitskultur.