Wir deutschen Männer haben es nicht einfach, wir möchten stark, erfolgreich, sexy und unbesiegbar auf dem Spielfeld sein. Doch statt uns Schwächen einzugestehen, machen wir immer weiter, denn wir denken, wir müssen immer weiterkommen, und vergessen dabei, dass wir die eigentlichen Drahtzieher in unserem Leben sind, denn es zwingt uns keiner, in das Gesellschaftsbild zu passen.

Wir wollen immer die Extrameile gehen, ohne Rücksicht auf Verluste, und setzen dabei alles auf eine Karte. Immer streben wir nach Glück und Befriedigung. Eine 50-Arbeitsstunden-Woche, eine 5-Minuten-Terrine und zum Feierabend alles mit einem Bier runterkippen. Wirklich viel Zeit für uns bleibt uns Männern nicht, wenn wir nach Hause kommen.

Man merkt nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur, was noch zu tun bleibt. (Marie Curie)

Die Folge: Körper und Geist befinden sich in einem Ungleichgewicht.

Karriere, Familienglück, gutes Aussehen und für alle und jeden da sein, vor allem für den Chef. Irgendwann wurde es mir einfach zu viel. Alles unter einen Hut zu bringen, war nicht mehr umsetzbar. Wie jeder fünfte Deutsche, der durch seinen Job psychisch erkrankt, litt auch ich an chronischen Beschwerden Tagein, tagaus begleiteten mich Übelkeit, Schwindel, Verspannungen und Müdigkeit. Als dazu noch ein stärkeres Bruststechen kam, entschloss ich mich, zu einem Arzt meines Vertrauens zu gehen. Ich hatte Angst davor, was er diagnostizieren würde.

Es waren letztendlich Thoraxbeschwerden die von einem Burn-out kamen. Die anderen Symptome seien wohl auch nicht ungewöhnlich bei einem Burn-out, doch dieses äußere sei sehr individuell, verriet mir mein Arzt. Irgendwie war die Diagnose ernüchternd und gleichzeitig machte ich mir so meine Gedanken, was meine Familie und meine Freunde dazu sagen würden. Die Angst, zu versagen und außer Gefecht zu bleiben, stieg mir zu Kopf.

Einer meiner ersten Gedanken war auch, was nun mit meiner Arbeit passiere. Mein Arzt riet mir, erst mal eine Weile zu Hause zu bleiben und nichts zu tun. Anfangs dachte ich, es ist ein schlechter Scherz, doch der Rat erwies sich als sehr sinnvoll. Ich war nicht mehr in der Lage, E-Mails zu schreiben, geschweige denn längere Telefonate zu führen oder Informationen aufzunehmen.

Außer Gefecht gesetzt, beschloss ich, mich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Die ersten Wochen verbarrikadierte ich mich zu Hause, ich wollte nichts wissen und nichts hören. Das schlechte Gewissen, nichts zu tun, plagte mich, Männer sind nicht dazu gemacht, nichts zu tun. Doch alleine schaffte ich es nicht aus meiner Höhle, zum Glück konnte ich mich auf Familie und Freunde verlassen.

Wieder rauszugehen, war komisch, man hatte förmlich das Gefühl, in der Bahn erdrückt zu werden. Menschenmassen, unangenehme Gerüche, Zugverspätung – diesen Alltag wollte ich nicht wieder haben. Doch sich abzuschotten oder gar zu fliehen, war nun auch keine Option. Ich überlegte auszubrechen, alles hinzuschmeißen und ganz weit wegzufliegen. Nachdem ich intensiv darüber nachgedacht hatte schlussfolgerte ich: Ein Mann rennt nicht weg.

Ein Allgemeinrezept gegen das Burn-out gibt es nicht, doch Medikamente kamen für mich nicht infrage.

Ich persönlich dachte, ich kann mir nur selber helfen, deshalb stellte ich auf eine gesunde Ernährung um, machte Sport und achtete auf ausreichend Schlaf. Vor allem das Selberkochen machte mir viel Spaß, endlich keine Fertigprodukte mehr, inklusive Farb- und Konservierungsstoffe. Nach kurzer Zeit fühlte ich mich wieder viel agiler und der ganze Stress fiel ab. Vielleicht kann MANN mit der richtigen Balance ja doch alles unter einen Hut bringen: Familienglück, der Überflieger im Job, das Eigenheim und der „look d’enfer“.