Herr Hannawald, hängt Ihnen das Thema Burn-out eigentlich langsam ein bisschen zum Hals raus? Immerhin werden Sie dauernd an eine Zeit erinnert, als es Ihnen nicht so gut ging.

Nein, das gehört dazu. Letzten Endes ist das eben mein Weg gewesen, mit allen Höhen und Tiefen. Natürlich gab es vor allem am Anfang schon die Situation, wo ich heilfroh war, das alles hinter mir gelassen zu haben, und so ein bisschen Widerwillen gespürt habe, darüber zu reden. Aber ich kann heute mit meinen Talks und Seminaren vielen Leuten helfen, das ist also sehr schnell gar kein Thema mehr gewesen.

Außerdem habe ich inzwischen gelernt, mich eben ein Stück weit rauszunehmen, wenn es ein bisschen zu stressig wird. Das fachliche übernimmt unser Partner die Gezeiten Haus Gruppe. Ich will ja helfen und den Leuten den ersten Schritt erleichtern, der gerade in der heutigen Zeit nicht leichter wird. 

Sie waren einer der ersten Prominenten, die ihre Probleme öffentlich gemacht haben. War Ihnen sofort klar, wie Sie damit umgehen wollen?

Eigentlich ja, ich bin einfach so. Wenn was ist, spreche ich offen drüber. Das einzige Problem dabei war nur die Diagnose; erst habe ich lange Zeit alle möglichen Symptome ignoriert, dann bin ich anderthalb Jahre von Arzt zu Arzt gerannt – in der Zeit habe ich erst mal nix gesagt, das ist nicht mein Ding, so diffus rumzujammern: „Mir geht’s irgendwie nicht so.“ Das werden Sie nie von mir hören. Aber als die Diagnose dann feststand, hatte ich kein Problem damit, das auch zu sagen. Wieso auch, es war eben einfach so!

Was haben Sie gespürt?

Ich habe damals gemerkt, ich brauche meine 100-prozentige Fitness, aber der Körper signalisiert mir nur Müdigkeit – ich hatte einfach keinen Bock auf nichts. Auf der anderen Seite ist so eine innere Unruhe, dass ich mich auch gar nicht wirklich regenerieren kann. Das ist der Teufelskreis: zu müde, um Leistung zu bringen; zu unruhig, um aufzutanken. Das Theater ist unheimlich schwierig auszuhalten, und nach einer Weile sind Sie dann völlig platt.

Heute weiß ich viel besser, wie ich ticke. Ich kann mir eben nicht so viele Aufgaben in den Kalender schaufeln wie andere Charaktere, weil ich es gewohnt bin, Dinge zu 100 Prozent zu machen. Wenn ich heute weiß oder merke, etwas wird stressig, dann plane ich jetzt schon vorher ein, meinem Körper danach die Ruhe einzuräumen, die er braucht.

Der „Erfolg in Balance“?

Genau, das ist das, was wir mit unserer Unternehmensberatung weitergeben – und was ich echt gerne früher gewusst hätte (lacht). Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Damals war es eben so. Ich habe sogar versucht, mich hier und da mal mit 80 Prozent zufriedenzugeben – keine Chance. Wenn ich sehe, ich hätte fünf Termine an einem Tag, dann organisiere ich das heute eben anders.

Und das möchte ich den Leuten einfach mitgeben. Alle haben doch irgendwelche Stressfaktoren an der Backe. Es geht darum herauszufinden, wie man tickt, was einen stresst. Mit Mut zur Pause.

Kommt da auch Ihr Motto „Vier gewinnt!“ her? Wofür steht die Vier?

Genau, das ist wie ein Tisch, der am besten auf vier Beinen steht: Gesundheit, Familie, Beruf und Hobby – und vor allem das Hobby, das ganz persönliche Interesse ist natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich. Gefährlich wird’s, wenn die Extrembelastung zum Dauerzustand wird. Wenn ich auf die eine Seite der Waage 100 Kilo Arbeit lege, dann muss ich mich nicht wundern, wenn zehn Gramm Freizeit nicht ausreichen, um wieder die Balance zu finden.