Etwa jeder zehnte Mann in Deutschland leidet zumindest gelegentlich an Blasenschwäche. Gesprochen wird über die Erkrankung kaum – häufig nicht einmal mit einem Arzt.

Ein gesunder Mann hält den Urin problemlos so lange zurück, bis dieser durch eine bewusste Entleerung der Blase abfließt. Bei den verschiedenen Arten der Inkontinenz ist der Mechanismus auf unterschiedliche Weise gestört, es entstehen auch Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Das heißt, es geht beispielsweise ungewollt Urin ab (vor allem nachts). Der Betroffene hat Probleme, mit dem Urinieren zu beginnen, oder nur einen schwachen Harnstrahl, die Blase wird nicht vollständig entleert oder es tröpfelt beim Wasserlassen nur.

Zu den häufigsten Formen zählt die Dranginkontinenz mit einer überaktiven Blase. Seltener leiden Männer unter einer Belastungsinkontinenz. Im höheren Lebensalter ist aber die Mehrzahl von Inkontinenz betroffen. Es ist eine verdrängte Volkskrankheit. Dabei könnte vielen Männern geholfen werden: Sie müssten nur zum Arzt gehen, um die Ursache abklären zu lassen.

Diese sind vielfältig: Eine radikale Prostataektomie, eine gutartig vergrößerte Prostata, neurologische Erkrankungen, Diabetes, medikamentöse Einflüsse oder Übergewicht können Blasenfunktionsstörungen mit Harninkontinenz oder auch Entleerungsstörungen verursachen. Ist der Grund gefunden, erlangen rund 80 Prozent der Männer ihre Blasenkontrolle durch die passende Therapie zurück.

Beim Beckenbodentraining gilt: Wer es übertreibt, riskiert Schäden.

In vielen Fällen reicht dafür auch bei Männern schon Beckenbodentraining – das ist keine typische Frauensache. Es stärkt die Muskulatur, die fürs Wasserhalten zuständig ist. Wichtig ist, sich die Übungen von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen und regelmäßig zu üben, sonst lässt der Effekt wieder nach. Aber: Männer übernehmen sich bei den Übungen oft. Beim Beckenbodentraining gilt: Wer es übertreibt, riskiert Schäden. Richtig ausgeführt, kann die Beckenbodenmuskulatur dauerhaft gekräftigt und stabilisiert werden.

Für übergewichtige Männer mit Harninkontinenz ist es zudem ratsam, Pfunde zu verlieren. Eine Studie zeigt, dass eine Gewichtsreduktion um etwa fünf bis zehn Prozent die gleiche Wirkung hat wie andere nicht operative Maßnahmen. Bei einer überaktiven Blase dagegen muss meist zu Medikamenten gegriffen werden. Halten die Beschwerden trotz konservativer Maßnahmen an, kann eine Behandlung mit Botulinumtoxin (besser bekannt als Botox) helfen.

Es wird durch eine Blasenspiegelung in den Blasenmuskel gespritzt. Dadurch entspannt sich die Muskulatur und die Harnblase speichert mehr Urin über einen längeren Zeitraum. Wenn bei einer Schließmuskelschwäche nach einer  Prostataoperation alle konservativen Therapien ausgereizt sind, hilft eine Operation. Bei der Harnröhrenschlinge wird ein kleines Band aus Polypropylen um die Harnröhre gelegt. Es verwächst mit dem Bindegewebe und hält die Harnröhre in Position. Bei schwerer Inkontinenz kann ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden.

Die Eingriffe hören sich dramatischer an, als sie sind. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, sollten Sie bei Problemen beim Wasserlassen oder Inkontinenz einen Arzt aufzusuchen. Je eher die Behandlung beginnt, umso höher ist die Erfolgsquote.

Information

Hier finden Sie Hilfe Inkontinenz ist eine Volkskrankheit. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. setzt sich für eine Verbesserung der Diagnose, Behandlung und Prävention ein. Am 17. Oktober findet in Stuttgart ein offenes Patientenforum mit Vorträgen et cetera zur Inkontinenz statt. Alle Infos dazu sowie ärztliche Beratungsstellen und Beckenbodenzentren in Ihrer Nähe finden Sie unter kontinenz-gesellschaft.de.